Susanne Goga "Leo Berlin"

10:00

Wenn ich in die Stadt gehe, dann muss ich immer am Buchladen anhalten und ein wenig stöbern. Meist finde ich etwas, nicht immer kaufe ich etwas, aber manchmal, ja manchmal da verlasse ich den Laden mit 5 neuen Büchern. Bei meinem letzten Besuch hatten es mir zwei Tische angetan, auf dem einen lagen Unmengen von Mängelexemplaren und auf dem anderen waren einige reduzierte Bücher ausgestellt. Das sollte die 5 neuen Bücher erklären.


Als ich das Cover von "Leo Berlin" gesehen habe und dann der Klappentext noch wirklich ok klang, war klar, dass ich das Buch mitnehmen möchte. Meine Uroma hat in den späten 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in Berlin gelebt und sie hat mir immer von der Zeit vorgeschwärmt, von der tollen Stimmung in der Stadt und als wir nach der Wende in ihrem alten Kiez waren, da haben ihre Augen so geleuchtet und sie hat mir alles gezeigt. Schade, dass ich damals noch so jung war und es nicht so richtig genießen konnte, wie ich es heute genießen würde. Ich habe es schon immer geliebt, wenn mir meine (Ur-)Großeltern Geschichten aus ihrer Jugend erzählt haben. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass ich meiner Uroma beim Lesen des Romans nahe war, zumindest habe ich sehr oft an sie gedacht und das hat das Buch noch etwas spezieller für mich gemacht.

Nun aber zurück zum Wesentlichen. Von Susanne Goga hatte ich zuvor noch nichts gelesen und ich bin auch sonst nicht auf ihre Romane aufmerksam geworden. In der Buchhandlung meines Vertrauens gibt es immer riesige Tische, die thematisch sortiert sind und auf denen verschiedene Autoren präsentiert werden. Ich persönlich mag das sehr gern, da ich so schon die ein oder andere Autorenentdeckung hatte.

Susanne Goga ist eine deutsche Autorin, die Literaturübersetzen studiert hat und bereits über 100 Bücher aus dem Englischen (u.a. Gillian Flynn) und Französischen übersetzt hat. Seit 2001 schreibt sie auch eigene Romane, die immer einen historischen Einschlag haben.


Die Romane (bisher 5) um den Ermittler Leo Wechsler sind alle im Berlin der 1920er Jahre angesiedelt.

"Berlin 1922. Deutschland ist politisch zerrissen, die Menschen finden nach dem verlorenen Krieg keine Ruhe. Kriminalkommissar Leo Wechsler bekommt es mit einem mysteriösen Mord zu tun: Ein Wunderheiler, der in besseren Kreisen verkehrte, wurde mit einer Jade-Figur erschlagen. Keine Zeugen, keine Spuren …"

Leo Wechsel ist Kriminalkommissar, Vater zweier Kinder und lebt gemeinsam mit ihnen und seiner Schwester Ilse in Berlin. Der Tod seiner Frau liegt noch nicht all zu lang zurück und die gesamte Familie muss sich mit der neuen Situation auseinandersetzen. Trauer, Schmerz, Einsamkeit und Spannungen der Familienmitglieder werden thematisiert, nehmen aber keinen zu großen Raum ein. Durch die Schilderungen lernt man die Protagonisten besser kennen und baut eine Bindung zu ihnen auf. Die Beschreibungen gleiten aber nie in die kitschige Richtung ab, was mir sehr entgegen kommt, weil ich persönlich mit der Herzschmerzthematik nicht ganz so viel anfangen kann. Er wird als bodenständiger Mensch beschrieben, der sich unterschwellig immer im Zwiespalt zwischen Familie und Beruf befindet. Er ist sehr sympathisch und ich habe schnell eine Bindung zu ihm gehabt, nichts finde ich schlimmer, als eine unsympathische Hauptfigur.

Im ersten Roman der Wechsler Reihe muss sich Leo den Tod eines Wunderheilers aufklären, der in seiner Wohnung mit einem Jade-Buddha erschlagen wurde. Dazu übernimmt er ebenfalls die Ermittlungen im Fall Erna Klante, einer Prostituierten, die erdrosselt wurde. Beide Personen könnten unterschiedlicher nicht sein - die mittellose Prostituierte und der wohlhabende Heiler - aber Leo Wechsler wird das Gefühl nicht los, dass die beiden Fälle miteinander zu tun haben.

Es ist unheimlich spannend zu erfahren, wie eine Mordermittlung ohne Verbrecherdatenbanken und DNA Analysen funktioniert hat und wie sich die Puzzelteile der beiden Morde zusammenfügen. Währed der Erzähler den Leser über alle aktuellen Geschehnisse auf dem Laufenden hält, werden immer wieder Gedankengänge vom Mörder eingeblendet, die nach und nach Hinweise auf das Motiv geben. Im Laufe der Geschichte erfährt man nach und nach die Identität des Mörders, die Handlung bleibt trotzdem sehr spannend und gerade zum Ende konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Dazu erhält man einen Einblick in das Berlin der 1920er Jahre, die beginnende Inflation, der gesellschaftliche Umbruch, die wandelnde Rolle der Frau und auch die ersten nationalsozialistischen Einflüsse. Die Atmosphäre im gesamten Roman ist absolut stimmig und mach Lust auf mehr.

Ich muss gestehen, dass mich seit "Ein Mann namens Ove" kein Buch mehr so begeistert hat, wie dieses hier. Der unaufgeregte Schreibstil lässt sich wirklich angenehm lesen und so hatte ich das Buch nach 3 Abenden durchgelesen. Für mich wirklich eine tolle Entdeckung und ich möchte nun unbedingt noch die anderen Romane um Leo Wechsler lesen. Eine unbedingte Leseempfehlung von mir.

Kennt ihr die Romane von Susanne Goga? Was lest ihr aktuell? Und müsst ihr auch immer in jeden Buchladen reingehen?

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